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August 15, 2015


Status Quo - Quo vadis

Status quo – Quo vadis

 

Die grossen Weine aus Kalifornien erfreuen sich einer enormen Nachfrage. Einerseits ist da der laufend stärker werdende US Markt und andererseits sind die Weinhändler aus Fernost momentan sehr auf die kalifornischen Weine fixiert. Dies aus den Gründen, dass sich der dortige Bordeaux Boom abgeschwächt hat und auch im Bewusstsein, dass Kalifornien noch die einzige Weinregion der Welt ist, in der Robert Parker persönlich die Degustationsberichte verfasst und die Bewertungen anstellt.

Obendrein beginnt nun mit dem 2012 eine Serie von drei herausragenden Weinjahrgängen in Folge. Dies hat keine andere Weinregion der Welt momentan im Keller und so ist die weit überdurchschnittliche Nachfrage erklärbar.

Jetzt oder nie; das ist mit Bestimmtheit übertrieben, aber vorteilhafter jetzt als nie. So weiss man wenigstens, was man hat!

Eilen mit dem Geniessen dieser Weine tut es nicht, mit Bestellen hingegen schon!

Es gilt aber mehr denn je genau zu prüfen, welche Weine in der Tat das Gerüst für den späteren ungetrübten Weingenuss bieten. Göttertrank oder Blendwerk; dies heraus zu riechen, zu fühlen und zu schmecken ist eine unserer verantwortungsvollen Aufgaben,  der wir uns mit grosser Akribie und Hingabe widmen.

Da der kalifornische Weinbau und mit ihm auch die kalifornischen Weinbauregionen, allen vorab unser geliebtes Napa Valley, während den letzten zwei Jahrzehnten einen enormen Wandel durchlebt haben, ist genaustes und mit allen Sinnen konzentriert und auf den Wein fokusiert zu prüfen, was da genau im Glas beziehungsweise in der Flasche ist. Eben, ist es der angepriesene Göttertrank oder ist es nur eines der vielen Blendwerke? Diese entstanden, als plötzlich Unmengen von Geld und Investoren das bis dahin beschauliche Valley fluteten. Wineries schossen wie Pilze aus dem Boden, gekauft wurde was feil war: Nice to have! Der Wein wurde nicht nur wie bis anhin meistens mit grosser Sorgfalt und Hingabe gekeltert, sondern es wurde, und das war neu, zusehends auch Weine kreiert, auf die eigentlich niemand gewartet hatte. Aber auch diese Weine fanden einen Käufer mittels künstlicher Verknappung, Spezielle Memberlisten, Scheiaweia, und "extravaganza" Degustationen! Ein Winzer sagte einmal zu uns. "and now we will create a new highpriced wine for 200 $. Na, dann kreier einmal schön und ... Tschüss!

Das liebe Geld veränderte das Valley grundlegend und das leider nicht nur zum Guten! Es wurde zusehends immer teurer und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar.

Durch den immensen Geldfluss entstanden auch wahre Prachtbauten, seien es nun Weingüter oder Privatresidenzen. Teilweise in einem recht "geschmäcklerischen" Stil, eine neue Brutstäte für Blendwerke? :-))

Ein sehr bekannter Winzer meinte einmal zu uns: "Too much Disney Land in the Valley!" Ganz unrecht hat er ja nicht. Auch für uns hat der sehr fragwürdige Wein-Sauglattismus, der an gewissen Orten um sich gegriffen hat, einen fahlen Beigeschmack. Schwarze Stretch -Limousinen, ein Geschrei der Aussteigenden, als hätten sie gerade das Rad erfunden (dann wären diese Leute ja punktgenau in der richtigen Zeit), schwarze Sonnenbrillen bis um Mitternacht im Gesicht, mit den Patschhändchen dafür den Weinkelch voll umfassend, engste fluoriszierende T-Shirts und lauthals am Handy!

Wir fragen uns auch, warum eines der angesehensten und prestigeträchtigsten Weingüter im Valley seit 1990 bereits zum vierten Mal den Besitzer gewechselt hat und dass ein Winery-Name für 35 Millionen $ verkauft wurde ohne einen m2 Land und ohne eine Winery. Just the name! Wir fragen uns auch, warum in einem weiteren Kultweingut alle zwei Jahre der Önologe kündigt. Die Antworten liegen eigentlich auf der Hand,

Schickimicki trifft Schreihals.

Es gibt aber auch die guten Beispiele, wo viel Geld investiert wurde um des Weines Willen. Wohl mit der Gewissheit, dass nicht alles zurückfliessen kann und wird, es muss in diesen Fällen aber auch gar nicht unbedingt. Gearbeitet wird im Stillen, ohne viel Aufhebens. Es sind meist jüngere, engagierte und ambitionierte Önologen am Werke die zusätzlich von einem der zahlreichen gestandenen Top-Önologen beratend unterstützt werden. Es wird an nichts gespart, wenn es darum geht, einen grossen Wein in die Flaschen zu bringen. Diese Ziele werden akribisch verfolgt und laufend wird verbessert und an den Details gefeilt. Das alles hat aber seinen Preis!

 

Den Preisentwicklungen nach oben sind in Kalifornien aller Anschein nach keine Grenzen gesetzt!  Im Schnitt seien die 2012 20% teurer als der vorangegangene Jahrgang, und bei den 2013 ist nochmals mit einer ca. 15%igen Teuerung zu rechnen!

Die dafür verantwortlichen Gründe sind vielfältig, sicherlich sind die folgenden Punkte

nicht unwesentlich:

- die steigende Nachfrage aus den bestehenden Märkten (Fernost)

- die Nachfrage aus neuen Märkten ( Mittel- und Süd Amerika)

- die exzellenten Jahrgänge, die da kommen werden

- die hohen Benotungen der einflussreichsten Weinjournalisten

 

Es sind aber eben auch Weine, von meist kleineren Abfüllern, oder Weingütern ohne eigene Reben, die die Preise ansteigen lassen. Die Trauben werden (müssen) bei einem Grape Grower gekauft werden, dies teils zu horrenden Preisen. Von einem Kellermeister wird das Traubengut gekeltert  und zusammen mit einem der vielen Top Önologen bis hin zur Abfüllung önologisch und beratend begleitet. Oft geschieht das zudem noch in einem gemieteten Kellerabteil einer Winery, die physisch Platz hat und deren Produktionskontingent nicht ausgefüllt ist. Da fallen natürlich schon wesentlich höhere Kosten an, als auf einer traditionellen Winery.

Die hohen Kosten werden dann zum grossen Teil auf die Weine umgewälzt und so ist es logisch, dass die Anzahl der hochpreisigen Weine zunimmt. Die im eigentllichen Sinne fremd gekelterten Weine sind meistens gut oder mehr, doch letztlich austauschbar.

Viele der Mitbewerber nehmen dies dann zum Anlass, ihre Preise anzuheben, frei nach dem Motto: so gut wie jener Wein ist, ist unserer mit Sicherheit auch!

Wie auch immer, die Preisspirale dreht sich im Moment kontinuierlich nach oben und ein Ende ist nicht absehbar.

Die Freude an diesen grossartigen und einzigartigen Weinen ist aber weiterhin ungebremst! Und so soll es auch bleiben.

 

Es gab auch einmal eine dunkle Zeit, in der man lieber Parker Punkte kaufte als Wein. Die Punkte waren eine Art neue Währung für die Weingüter.

In der Folge liessen  sich viele Weinbaubetriebe dazu hinreissen, eher gefälligere und vollmundige Weine zu keltern im Wissen um Parkers Vorlieben. Das war absolut legitim, leider verloren aber dabei viele der Napa Weingüter ihre wahre Identität, was sehr schade war.

 

Ab 2008 wurde Parkers Einfluss zusehends geringer, eine neue und frische Nase zog für Parkers Wine Advocat durch Kalifornien. Antonio Galloni war angesehen und fand schnell einen guten Zugang zu den Winzern. Da gewisse Wein-Investoren mit Tonis Bewertungen aber nicht einverstanden waren, wurde Robert Parker verbindlich angehalten, die 2010er Napa Weine nochmals zu degustieren und zu bewerten. Und siehe da, seine Nase fand ein ganzes Dutzend 100 Punkte Weine......

Nun ist es so, dass Parker noch zwei Jahre Kalifornien bereist, die Degustationsnotizen verfasst und die Punkte vergibt und dann sei Schluss! Einige Winzer stecken nun ihre Köpfe zusammen und wollen eine Art neuen Weinpapst finden und küren! Zu gross werde das Loch sein, das Parker hinterlassen wird. Die Kunden und Weinliebhaber bräuchten schliesslich einen sicheren und objektiven Indikator, ansonsten die Verkäufe einzubrechen drohten...

Viele der Weingüter die "parkerisierte" Weine produzierten sind am zurückbuch-stabieren. Die gewonnenen Kunden will man ja keinesfalls verlieren und deswegen ist es natürlich nachvollziehbar, dass auf den neuen - alten Weg der Weinproduktion, wo das Terroir, die Güte und die Bekömmlichkeit der Weine im Vordergrund standen, sanft eingebogen wird.

Es gibt aber immer noch genug Weingüter, die die Sumo Variante im Wein bevorzugen. Ein Glas geht, beim zweiten fängt man an zu kauen und beim dritten Glas ist man bereits am schneiden. Und irgendwann ist dann.... Flasche leer!

Deutlich Festhalten möchten wir aber, dass es vielen Winzern sprichwörtlich am A... vorbei ging, was Parker über ihre Weine meinte. Da es ja auch noch andere Wein-Publikationen gibt, mit geringerem Einfluss zwar, dazu auch Resultate an Auktionen eine Reputation eines Weingutes mitbestimmen, wurden im Laufe der Zeit auch Weingüter, die bis anhin  eher gemieden wurden, in Parkers Ritterstand erhoben.

Und hier sind sie wieder; Göttertrank oder Blendwerk, auf einem Level.

Darum lieben wir unsere Arbeit so sehr. Es ist eine Herausforderung, aber mit grosser Verantwortung, die Balance haltend und vorausschauend findet man mit Genugtuung intuitiv den nächsten sicheren Tritt. Vor einem Fehltritt schützt zudem die Degustation und ein Kellerrundgang verlässlich.

Es käme uns nie in den Sinn, nur über die jeweiligen Parkerpunkte unsere Weine anzupreisen und zu verkaufen. Erreicht ein höchstgepunkteter Wein im Folgejahr dieses Punkte-Level nicht, schwindet das Interesse drastisch.

 

Es graut und enttäuscht uns sehr, wenn wir bei einem Weinbeschrieb oder einem Weinangebot nur die Parker Punkte  zu sehen bekommen. Das zeugt einerseits von einer gewissen Hilflosigkeit des Anbieters  und andererseits fragen wir uns, ob die die

Anbietenden ihre Kundschaft wirklich ernst nehmen?
Eric Titus sagte diesbezüglich  einmal bezeichnend zu uns

"If you sell by points - you will die by points".

Oder ist es zu guter Letzt nur eine Schreihals-Parade?

Drum prüfe wer sich ewig bindet, und sei es nur bis zum Zeitpunkt, wo der Korkenzieher das Finale der gemeinsame Zeit einläutet!

 

Entschuldigt die Abschweifung! Nach der Degustation geht es natürlich noch um die Verfügbarkeit der Weine und um die Preise.

Da heisst es schon einmal leer schlucken! Manchmal auch zwei Mal.

Um die Verfügbarkeit feilschen wir des Öfteren, meistens mit Erfolg, auch wenn es nur ein paar Kistchen mehr sind, hilft das schon beträchtlich.

Sonnenklar ist aber, dass in Kalifornien zum grossen Teil absolute Traumweine gekeltert werden, deren Winzer mit grösster Hingabe und einem enormen Wissen um den Rebbau und um die Önologie emsig an der Arbeit sind. Dank den ausserordentlichen klimatischen Verhältnisse kann auch sehr naturnah produziert werden. Unzählige Weingüter praktizieren den biologischen Rebbau aus Überzeugung und mit der Gewissheit, dass sie so Spitzenweine abfüllen können.

 

Die gute Nachricht zuletzt!

Dass dies mit den prozentualen Preisaufschlägen nicht zwingend stimmen muss, zeigt unsere Angebotsliste deutlich! Dies aus den Umständen heraus, dass wir gelegentlich vor Ort sind (und dies nicht erst seit vorgestern), und wir mit den Winzern verlässliche und professionelle Partner haben, die auch an unseren Anliegen interessiert sind; auch weil wir eher im Stillen agieren dafür aber kontinuierlich, und wir jedes Jahr, ungeachtet der jeweiligen "Jahrgangsgüte", Weine einkaufen und unsere Winzer weitsichtige Persönlichkeiten mit sehr hohem Weinverstand sind. Den Weinen unserer Winzer gehört die Zukunft!

 

Seit diesem Januar sind nun recht verschärfte Baugesetze in Kraft getreten. Auch wurde viel Land dem Napa Valley Land Trust zugesprochen. Zudem haben voraussehende Winzer dieses Jahr, wie auch schon in der Vergangenheit, viel Brachland gekauft, um dies vor einer Bebauung durch die Limousinen fahrenden Schreihälse zu schützen.

 

Halten wir grosse Sorge zu diesem einzigartigen Weintal, das uns mit Unmengen von Welt besten Weine beglückt und verwöhnt hat und auch noch wird und hoffen innigst, dass die Schreihals-Plage keinen weiteren Nährboden findet!

 

Andreas Putzi - Weinenthusiast 

 

 

May 12, 2015


MOGAR ROBLE 2013 - The Best “Roble Wine”

We are really pleased informing you that our wine MOGAR ROBLE 2013 has been recognised as The Best “Roble Wine” of the D.O. Ribera del Duero in the Envero Awards 2015.

 

The Envero Awards is a wine competition only for wines from de D.O. Ribera del Duero,  and it is the only one where the jury is composed of 1000 tasters, both professionals and public lover of wine, in a massive tasting held on Saturday May 9 in Aranda de Duero (Spain).

April 22, 2015


Bordeaux 1982

Die Degustation vom 19. April in der Weinresidenz ist Geschichte. Ein Weinnachmittag, den man mit verschiedenen Titeln versehen könnte. So zum Beispiel "Bestätigung der ewig gleichen Podestplätze", oder "Pauillac, das Mass aller Dinge"!  Oder wie wäre es mit dem Titel "Der Aufstand der Underdogs"?

Dieser Titel macht mit Sicherheit neugierig und die Chance, dass dieser Text gelesen wird, erhöht sich beträchtlich :-) .
Dass wir bei herrlichstem Frühlingswetter auf der Terrasse der Weinresidenz einen Apéro genossen, vergessen wir wohl nicht so schnell. Was war es aber für ein erfrischender Wein? Dieser fruchtige und mineralischer Wein mit passender Säurestruktur wird auf dem Covela Weingut in Portugal aus der Aveso Traube gekeltert.
Wir sind die Importeure dieses Weingutes und können diesen tollen Wein für bescheidene Fr. 13.50 unserer Kundschaft nur empfehlen....

Das Unterfangen Bordeaux 1982 startete mit der ersten Serie, dessen Kronjuwel ganz klar der Cheval Blanc war. Der würzige Auftritt seines hohen Cabernet Franc Anteiles im Wein war bestechend. Die Eleganz und Harmonie verleihen diesem Wein tatsächlich Flügel, ein Wein-Pegasus erster Güte. Seiner hohe Reputation wurde der Cheval Blanc wirklich gerecht. Mit einem Durchschnitt von über 18 1/2 Punkten reichte es zum dritten Platz dieser Degustation. Gazin und Magdelaine, beide mit einem hohen Merlotanteil, vermochten sehr zu gefallen. Beide sind unter den Top 12 zu finden, was doch ein bisschen überraschend ist. Curé Bon La Madeleine hatte sich leider von der Genusswelt verabschiedet. Schlichtweg aus und vorbei!

Mit der zweiten Serie gelang das Übersetzen ans linke Bordeaux-Ufer problemlos. 
Eine Serie mit zwei Favoriten, die diesen Durchgang dominieren würden, war die, wenigstens theoretische, Ausgangslage.
Der Wein im Glas eins hatte etwelche Mühe, sozusagen kurz vor dem Absturz. Im Glas Nummer zwei spielte dann aber eine weit besser klingende Musik! Da war eine ausgewogene Eleganz ausmachbar, ein Schmeichler mit frisch wirkendem Abgang. Im Glas drei war ein kräftiger Wein mit Reserven für ein längeres Leben.
Der Duft nach dunklen Beeren und Cassis vermählte sich mit Nuancen von Tabak. Der Wein wirkte zudem recht frisch und war im Abgang mit noch etwelchem Tannin versehen. Im Glas vier war der von vielen als bester dieser Serie erkorene Wein.
Ein Bilderbuch-Bordeaux, von dem man gerne noch ein paar Kisten im Keller hätte!
In der Nase ein hin und her von schwarzen Beeren und Zigarren-Düften, am Gaumen ausladend und vielschichtig, im Abgang wohltuend weich, voll und anhaltend.
Da aber eigentlich nur zwei Favoriten vorhanden waren, bahnte sich die erste Überraschung dieses Nachmittages an, zumal sich die Gläser zwei, drei und vier qualitativ in etwa ebenbürtig waren. Das erste Glas entpuppte sich als Château Cissac, der sich in der Zwischenzeit verabschiedet hat: Crash and burn! Im Glas zwei der Léoville Poyferré, der mit 17,5 Punkten schliesslich auf Rang 14 landete. Die dritte Flasche war der 82er Duhart-Milon und folgedessen war der klar beste Wein dieser Serie der Château Poujeaux!
Eine wirkliche wohltuende Überraschung, wir werden von diesem Weingut einige jüngere Weine degustieren und dann einkellern!

Sehr ähnliche Voraussetzungen dann auch in der folgenden dritten Serie. Die Favoriten Mission und Las Cases. Der eine wohl mit medizinalischem Jodier-Auftritt, der andere mit betörender, vielschichtiger und kräftiger Eleganz. Gloria und Lagrange nicht unbedingt Lückenbüsser, aber qualitativ klar unter den Erstgenannten anzusiedeln.
Bald einmal wurde der Mission Medizianalkübel im Glas 4 geortet. Ein sicherlich guter und ausgewogener Wein, dem es aber ein bisschen an Kraft und Würze mangelte. Mit 17.6 Punkten belegt er in unserer Degustation Rang 10.
Da warens nur noch drei, alle aus dem St. Julien. Alle präsentierten sich sehr gut und so bahnte sich doch die eine oder andere Überraschung an. Der Wein im Glas 1 hatte eine kräftige Statur, war würzig und harmonisch zugleich. Im Abgang samtig, wiederum würzig und mit guter Länge. Im zweiten Glas ein Wein, dessen Zenit noch nicht erreicht ist, da schlummert noch eine Art Weinmagma unter der Oberfläche! Die Nase betörend, aristokratisch, edel und elegant. Kein Brüller, sondern ein tief fundierter Wein, dessen Evaluation im Gleichschritt vor sich hin spaziert. Ganz grosses Kino! Das 4. Glas, das war halt schon auch gewaltig gut. Wenn sich die Kraft mit der Eleganz verbindet und sich die vielschichtigsten Nuancen zu einem harmonischen Ganzen vereinen, dann kann man getrost von einem grossen Wein sprechen. So auch in diesem Fall. Ein Verführer erster Güte, ein Wein, wohl auf dem Höhepunkt seines Daseins! Da ist nichts zu viel und auch nichts zu wenig,  ein purer Genuss, der Lust auf mehr, viel mehr macht! Nur, was ist wo versteckt? Der Mission, der war klar. Also, wo ist der Las Cases? Im 1 wohl eher nicht, bleiben die Gläser 2 und 3. Auf Grund des Wissens um die 100 Parker Punkte und einigen Hinweisen meines Degustations-Nachbars festigte sich die Vermutung, dass der Las Cases im Glas 2 zu finden sei. Lagrange oder Gloria im Glas 3? Das wäre natürlich ein Riesending! Oder ist da etwas beim Verhüllen der Weinflaschen schief gelaufen? Meine Bedenken wuchsen, und so wurde eher zaghaft aufgedeckt. Im Glas 1 Lagrange, (veritable Überraschung) im 2 Las Cases, im 3 Gloria! Eine Überraschung die einen sprachlos macht! Mit starken 18.5 Punkte belegt dieser Wein Rang 7! Im vierten Glas schliesslich der Mission Haut Brion. Ich denke, der Wein wollte einfach nicht so recht. Es war nicht sein Tag!

Die vierte Serie begann dann mit einem Paukenschlag! Ein grässlicher Zapfen-Wein entpuppte sich als Château Margaux! Die eilig herbeigeschaffte Reserveflasche war da auch nicht viel besser! Shit happens!
Glas 1 Moder, Altfass, Zapfen! Das zweite Glas stimmte dann die Runde wiederum freundlicher. Die Nase wirkte wärmend, samtig und schwarzbeerig. Ein nobel wirkender Wein mit guter Struktur und ausladendem Tiefgang. Im Abgang wiederum beerig, würzig und mit einem langen harmonischen Nachhall. Ein perfekt gereifter Bordeaux!
Der Wein in Glas drei war erneut ein Wein erster Güte. In der Nase breitgefächert, das Bouquet reicht von Cassis über Beeren, Zedernholz bis hin zu Tabak und Schokolade.
Am Gaumen straff, vielschichtig würzig und voller Harmonie. Der Abgang kräftig, ausgewogen und mit einem riesigen Nachhall versehen. Einer meiner Favoriten.
Im 4 Glas dann ein Wein, dessen Qualität umso tiefer fiel, je länger er im Glas war! Sinkflug in Extremis! Sehr schade, denn ganz am Anfang war da doch noch einiges los in diesem Wein! Sehr reif zwar, aber trotzdem noch etliche Beerenkomponenten, feingliedriger Körper und weiniger, eher schlanker Abgang. Der Nachhall eher trocken und würzig. Wo ist nun was? Margaux war ja aus dem Rennen, der Wein in Glas 4 wohl der Lascombes, denn die Margaux Weine sind summa summarum halt nicht so langlebig wie die St Estèphe's. Weit gefehlt! In Glas 2 war der Lascombes. Halleluja!
Da lagen so ziemlich alle daneben. Schön, so etwas zu erleben. In Glas drei gleich die nächste Überraschung: Montrose! Ich habe da eigentlich auf den Cos getippt, doch zweitens kommt es anders, als man denkt. Der Cos im Glas 4 hatte sich mittlerweile verabschiedet.

In der fünften Serie schliesslich kam es zum Showdown. Da waren die Stars unter sich und machten den Tagessieg unter sich aus. Im ersten Glas ein eleganter vielschichtiger, verspielter Wein der Extraklasse! Er war nicht einfach zu degustieren. Am Anfang hatte er eine etwas staubige Nase, die sich dann zunehmendes verflüchtigte. Eins war klar, das müsste etwas mit viel Merlot sein, also entweder L'Evangile oder Pichon Comtesse. Die samtige und doch kräftige Ausgewogenheit in diesem Wein, verbunden mit diesem sublimen, unendlichen wärmenden Abgang war einzigartig. Im Glas 2 dann ein Wein, dessen ungestüme Kraft edelst verpackt war. Dieses Energiebündel hatte es faustdick hinter den Ohren. In der Nase Unmengen von Cassis und Dörrpflaumen, Zedernholz, Mocca und Tabak. Am Gaumen vielschichtig, mineralisch, sehr würzig. Im Abgang sozusagen ein Beginn der Unendlichkeit. Der Wein ist in beneidenswerter Form und wird diese wohl noch manche Jahre halten.
In Glas 3 ein ähnlicher Wein, nur mit linear einigen PS weniger. Auch war dieser Wein reif und bietet jetzt sehr viel Trinkvergnügen. Im Glas 4 schliesslich eine Diva von einem Wein. In der Nase ein betörendes hin und her von Cassis, Minze, Dörrpflaumen und Tabak. Man konnte sich nicht satt riechen! Am Gaumen voll, ausladend, samtig und wärmend. Vielschichtiger Wein mit einem liebevollen, herzerwärmenden Abgang und einer erstaunlicher Länge.
Im Glas 1 war der L'Evangile, im 2 der verdiente Tagessieger Mouton, im 3 der Pichon Baron und im vierten Glas ein Engelswein namens Pichon Comtesse.

Vor beinahe 20 Jahren führte ich bereits eine Degustation mit denselben Weinen durch. Das Resultat auf dem "Treppchen" ist das gleiche geblieben. Auch sind die erweiterten Spitzenplätze in etwa identisch. Was aber mich erstaunt und irgendwie schelmisch freut, ist die Tatsache, dass sich diverse graue Mäuse zu richtigen Punkte-Hamstern entwickelt haben! Die grossen Überraschungen dieser Degustation sind zweifelsohne die Châteaux Lascombes, Gloria und  Poujeaux.  Im Vorfeld hätte niemand auf diese Weine gesetzt, höchstens ein skeptisches Achselzucken, das wäre gewiss gewesen. Die Weinmonumente stehen felsenfest in der Brandung, weniger geadelte Weine können sich prächtig entwickeln und uns einzigartige und überraschende Weinmomente bescheren.

Wir bedanken uns nochmals für das grosse Interesse und für das Dabeisein an dieser Degustation.

Wir wünschen dir viele positiv überraschende Weinmomente
und bis bald in der Weinresidenz in Olsberg

Andreas & Beatrice

 

April 10, 2015


Warum Kalifornien boomt - Randnotizen

Der US Dollar hat die Parität zu unserer Landeswährung wieder gefunden. Wenn wir dem, was prognostiziert wird, Glauben schenken, so wird dieser Aufwärtstrend weiter

anhalten. Die grossen Weine aus Kalifornien erfreuen sich einer enormen Nachfrage. Einerseits ist da der laufend stärker werdende US Markt und andererseits sind die Weinhändler aus Fernost momentan sehr auf die kalifornischen Weine fixiert. Dies, weil sich der dortige Bordeaux-Boom abgeschwächt hat und auch aus dem Bewusstsein heraus, dass Kalifornien noch die einzige Weinregion der Welt ist, in der Robert Parker persönlich die Degustationsberichte verfasst und die Bewertungen abgibt.

Obendrein beginnt nun mit dem 2012 eine Serie von drei herausragenden Weinjahrgängen in Folge. Dies hat keine andere Weinregion der Welt momentan im Keller und so ist die grosse Nachfrage nachvollziehbar.

Die Tendenzen zeigen auf, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln kann.

Jetzt oder nie; das ist mit Bestimmtheit übertrieben, aber besser jetzt als nie. So weiss man wenigsten, was man hat!

March 29, 2015


Forgotten Bottles - Januar 2015

Die vierte Serie wurde eingeschenkt: Syrah oder eben Shiraz, je nach Herkunft dieser Weine. Der Superstar in dieser Serie war zweifelsohne der Grange von Penfolds, ein markanter Wein, der den Erfolg der australischen Weine begründete. Seit 1951 notabene, wird bei Penfolds aus Trauben uralter Shiraz Rebstöcke der Grange gekeltert und an die grosse Fangemeinde verkauft. Anfangs der neunziger Jahre erlebte der Grange fast über Nacht einen Preisaufschlag von gegen 400%! Shit happens!

Auch dem Hermitage La Chapelle war einiges zuzutrauen, umso mehr einen die wohl frankophile Auslegung und die Aromatik dieses Weines durchaus in ihren Bann ziehen kann. Dem Michael Shiraz von Wynns wurden Aussenseiter-Chancen zugesprochen und der unbekannte kalifornische Syrah von der Edmunds St. John Winery würde in dieser Serie wahrscheinlich eher abfallen. Diesen Wein hatte ich voller Begeisterung bei einem Winery Besuch vor ca. 18 Jahren gekauft, ganze 9 Flaschen konnte  ich damals erstehen! Das ist aber alles Theorie - jetzt gings ans Eingemachte, es wurde losgeschlürft!

Die zwei Australier waren sehr schnell ausgemacht, druckvolle Weine mit straffer Lakritze und Eukalyptus-Aromatik, samtig, voluminös und mit langem, wärmendem Abgang versehen. Zweifelsohne grosse Weine mit herrlicher Reife. Der Grange war aber um einiges vielschichtiger und meines Erachtens auch kompakter und länger.

Nach dem Sturm auf die Australier befasste man sich zusehends mit dem Glas eins und vier. Vor allem der Wein im Glas vier entwickelte sich prächtig: Syrah in Perfektion, ausgewogen, geniale Reife und eine überschwängliche, sich mit Luftkontakt zunehmend verstärkende Hermitage Typizität. Der Wein im ersten Glas fiel etwas ab. Er wirkte irgendwie verknorzt und eher auf der schlanken Seite. Auch wurde die fehlende Sortentypizität und die fehlende Syrah-Kraft vermisst. Soweit also alles klar, oder?

Das Erstaunen war gross, als unter dem Deckmantel der Flasche eins der Hermitage La Chapelle auftauchte. Abgestürzt war er in diesem Sinne nicht, aber völlig chancenlos. Im Glas zwei dann der Michael Shiraz, im dritten Glas der Grange, was bekannt war. Der Syrah von Edmunds St. John mit der höchsten Punktzahl war sicherlich die Überraschung des Tages. Schade, hatte ich mich damals nicht weiter um dieses Weingut bemüht. Die zu erwartenden Mengen waren einfach zu gering, um die jeweiligen Minimengen mit all dem dazugehörenden Papierkram zu importieren. Die 9 Flaschen hatte ich damals noch im Handgepäck transportiert! Im Stillen frage ich mich aber ,ob die hohen Benotungen des Siegers nicht auch vom festen Glauben daran, dass er ein Franzose sei, beeinflusst wurden.

Die fünfte Serie, dem Cabernet und den Bordeaux, gewidmet wurde eingeschenkt.

Ganz am Anfang war alles recht homogen. Nur kurze Zeit später aber entfalteten sich die Weine, jeder auf seine persönliche und einzigartige Weise. Im Glas eins die Eukalyptusnoten der Oakville Cabernets. Im Glas zwei, die ach so typischen Graves Noten, im dritten Glas die Zedernholz- und Mocca-Düfte des Montelena Weines. Im Glas war eine betörende Nase eines grossen Bordeaux Weines aufs Beste erkennbar.

Der Mondavi Reserve Cabernet vermochte nicht mit den anderen drei mitzuhalten, ihm fehlte einfach der Druck und auch eine differenzierte Vielschichtigkeit. Der Mission hingegen war in einer beneidenswerten Form, punkto Reife, Harmonie, Vielschichtigkeit und Abgang. Der Montelena Cabernet war irgendwie verhalten, eine Art Starre, er konnte einfach nicht aus sich herauskommen. Der Las Cases zum Schluss war ein Bilderbuch-Bordeaux ein Aristrokrat erster Güte. Allein schon der Düfte wegen, die einem entgegen strömen, lohnt es sich, eine solche Flasche zu entkorken. Der "Rest" ist zudem ebenbürtig. Ein Bordeaux Wein mit Bonus Track. Ein Seelenwellness-Wein.

 

January 07, 2015


Guide Bleu 2014/15

Nach mehreren erfolgreichen Jahren auf der Farnsburg haben Beatrice Arnosti und Andreas Putzi mit dem Rössli in Olsberg ein neues Lokal gefunden. Daraus ist die Weinresidenz entstanden. Den Namen trägt der Ort zu Recht. Ist doch unter dem grossen Parkplatz extra ein riesiger Weinkeller ausgehoben, um den Ansprüchen der Gastgeber gerecht zu werden. Da lagert sie nun bei Idealkonditionen, die im weiten Rund wohl grösste Kollektion edler Tropfen. Bereit, die kulinarischen Köstlichkeiten zu begleiten, die Andreas Putzi - seit Kurzem zusammen mit Sohn Gion - in der Küche kreiert. Und die stehen gastronomisch den grössten Weinen in keiner Weise nach.